Punta del Diablo

11 03 2011

22./23.02.2011, Tag 140/141

Meinen Uruguay-Aufenthalt abschliessen möchte ich mit einem Abstecher in einen der Strandorte. Dafür habe ich mir allerdings nicht eins der grossen, bekannten Ziele wie Punta del Este oder La Paloma ausgesucht, sondern das abgelegene Strandörtchen Punta del Diablo, was praktischerweise auch auf meiner Reiseroute nach Brasilien liegt. Allerdings bleiben mit nur knapp 2 Tage und eine Nacht, denn die Zeit drängt und ich will wie bekannt weiter nach Rio zum Karneval und das sind noch ein paar Kilometer. Den Weg nach Punta del Diablo bekomme ich auch wieder nur im Halbschlaf mit. Das ist eine sehr nützliche Sache, die ich auf dieser Reise gelernt habe: Sobald ich in einem Fahrzeug sitze und es beginnt zu wackeln schlafe ich ein. Irgendwann biegen wir von der Landstrasse auf eine Sandpiste ab und fahren Richtung Ozean, den man am Horizont erblicken kann. Punta del Diablo ist eigentlich nur eine Ansammlung von kleinen Häusern und Hütten, die teilweise etwas verwinkelt vom Strand weg gebaut wurden. Da es hier extrem wenige Schlafplätze geben soll habe ich entgegen meiner üblichen Vorgehensweise dazu verleiten lassen über das Hostel in Montevideo hier ein Bett zu reservieren. Dazu habe ich einen Plan bekommen wo ich aussteigen und hinlaufen muss. Irritiert von einem Schild “Hostel Diablo” lande ich dort und nicht im “Punta del Diablo Hostel”. Die könnten ja auch etwas einfallsreicher sein mit den Namen… Also habe ich nun noch einen Marsch von gut 2 km unter sengender Sonne vor mir, der zum Glück im Endeffekt aber nur etwa halb so lang ist. Im etwas ausserhalb gelegenen Hostel sind nur eine Handvoll Gäste, gut das ich reserviert habe…

Zum Glück kann man hier kostenlos Fahrräder nutzen, denn der Weg zurück ins Dorf und an den Strand zieht sich. Also steige ich zum ersten mal nach Ecuador wieder auf einen Drahtesel mit einem Gang, aber das verlernt man zum Glück nicht so schnell. Ich besorge mir was zu essen und setze mich auf einen Felsen, von wo aus man den starken Wellengang des Atlantiks und die Surfer beobachten kann. Der Strand ist gut gefüllt, am oberen Ende liegen Fischerboote und dahinter beginnt die “Promenade” mit Bars in kleinen Holzhütten mit Strohdächern und Bacardi-Flagge, sehr sympathisch hier. Ich fahre zurück Richtung Hostel, da ich nicht mit meiner Kamera an den Strand gehen möchte und fahre dann allerdings erstmal die Hauptstrasse hoch bis ich die Landstrasse erreiche an welcher morgen Abend mich der Bus nach Porto Alegre, den ich in Montevideo bereits gebucht habe, einsammeln soll. Mit dem Bike brauch ich gut 20 Minuten, also ist klar, dass ich das morgen nicht laufen werde. Da ich keine Lust auf volle Strände habe, fahre ich einfach mal ein Stück querfeldein, bis mich die Dünen zum absteigen zwingen. Jetzt erstmal ein Bad im Atlantik, in dem ich das letzte mal vor über 7 Jahren auf der anderen Seite des Ozeans geschwommen bin. Im Vergleich zum Pazifik ist er aber deutlich wärmer. Abends im Hostel ist wenig los. Neben mir sind nur zwei Jungs aus Montevideo, drei chilenische Mädels und ein deutsches Pärchen anwesend. Das erste mal seit über zwei Wochen, dass ich wieder deutsch spreche fällt mir dabei auf. Da die beiden kein Spanisch und der Rest kaum Englisch spricht fungiere ich dann als Dolmetscher. Ich würde behaupten, das ist der Höhepunkt meiner “Sprachreise” 😉

Am nächsten Morgen ist es bewölkt und ziemlich windig, absolut kein Strandwetter. So hänge ich mit Diego und Marcelo, den beiden Uruguayos herum, spielen Tischtennis und chillen auf dem “Hochsitz”, vor dem gerade ein giftiger Wurm über den Sand kriecht. Dabei entschuldigen sich die beiden, dass sie mich gestern nicht gefragt haben, ob ich mit ihnen Marihuana rauchen will. Irgendwann im Laufe des Abends müssen sie sich wohl was angesteckt haben und da das Pärchen nicht so gewirkt hat als hätten sie sowas schon mal gemacht, sind sie lieber nach draussen gegangen. Daraus schliesse ich, dass ich auf die Jungs den Eindruck mache, als würde ich mir regelmässig irgendwelche Drogen in den Kopf pumpen… Hier hat das Konsumieren aber glaube ich auch eine andere Stellung als bei uns und die meisten rauchen mal irgendwann irgendwas wenn sie frei haben, so erklären sie es mir auf jeden Fall. Vielleicht sind die Leute hier deswegen auch so gechillt 😉 Mit den beiden wird meine Wartezeit auf den Bus am späten Abend auf jeden Fall kurzweiliger. Marcelo studiert Philosophie und liest gerade etwas von Friedrich Nitzsche, daher freut es ihn sich mit einem “Landsmann” zu unterhalten, auch wenn ich noch kein Werk von ihm gelesen habe. Dann wirft er mir noch etwas von Sigmund Freud um die Ohren, wonach ich versuche das Thema zu wechseln und frage ob er neben dem Studium noch arbeiten muss. Genauso wie Fernando es mir geschildert hat, arbeitet er auch täglich 6 Stunden und zwar 6 Tage die Woche in einer Wechselstube. Am späten Nachmittag geht er dann noch in die Vorlesungen und den freien Tag verbringt er mit Lernen. Seine Freundin, die den gleichen Alltag hat sieht er kaum, da ihr freier Tag auf einen anderen Wochentag fällt als Marcelos. So ist also das Studentenleben in anderen Ländern…

Ich fahre nachmittags dann nochmal zum Strand, doch der starke Wind ist alles andere als einladend. Daher koche ich mir noch was und schaue mir die Champions-League Begegnung Inter Mailand – Bayern München an. Die Bayern geniessen hier in Südamerika höchstes Ansehen, und selbst andere deutsche Clubs wie Stuttgart oder Schalke, die ich nicht unbedingt zur internationalen Spitze zählen würde, sind bekannt. Ich habe vom deutschen Fussball in meiner Abwesenheit wenig mitbekommen, aber wie es scheint will Mario Gomez sich nun wieder auf den Fussball anstatt auf seine Frisur konzentrieren… Die restliche Zeit bis zur Abfahrt schreibe ich an dem Blog, ehe das Mädel was im Hostel arbeitet dazu kommt und mich über alles mögliche ausfragt. Das ist auf dieser Reise nichs aussergewöhnliches, aber ich bin immer wieder beeindruckt welches Interesse die Menschen hier haben. Wenn ich manchmal in Deutschland jemanden irgendetwas zu einer ihm nahestehenden Person frage bekomme ich häufig sowas zu hören wie, das man lange nicht über dies und jenes gesprochen habe. Meiner Meinung nach reden viele einfach nie über irgendetwas, da man anstatt persönlichen Kontakt zu suchen, seine Zeit lieber vor dem Fernseher oder PC verbringt… Zurück ins Geschehen und da hüpft gerade eine Familie fetter Frösche durch den Vorgarten. Meine neue Bekanntschaft verabschiedet sich von mir als wären wir seit Ewigkeiten eng befreundet und ich steige in das Taxi, dass mich zur Bushaltestelle an der Landstrasse bringt. Der Bus soll hier gegen 23.40 Uhr vorbeikommen, sicherheitshalber bin ich aber schon um 23.00 Uhr dort. Da auf meiner Seite kein Wartehäuschen ist, stelle ich mich gegenüber unter, denn es fängt gerade an zu regnen. Dann gegen halb ein Bus, ich stelle mich winkend auf die Strasse und er hält an. Mit vollen Gepäck renne ich durch den Regen zum Fahrer, der mir erklärt das es der falsche Bus ist. So eine halbe Stunde nachts, mitten im Nichts kann sich ziehen und mein Bus lässt sich nochmal über eine halbe Stunde Zeit. Dann endlich um kurz nach zwölf geht es los Richtung Brasilien. 10 Tage war ich in Uruguay und ich möchte die Zeit in dem vor der Reise mir eher unbekannten Land nicht missen. Tolle Städte, schöne Strände und super nette Menschen haben das Bild geprägt. Dazu ein Traveller-Publikum, das auch nicht ganz typisch ist, alles in allem ein super Paket und eine Wahnsinns-Zeit, die nun zu Ende geht. Das nächste Kapitel heisst Brasilien, erster Stopp Porto Alegre.




Montevideo – Futbol & Fiesta

7 03 2011

19. – 21.02.2011, Tag 137 – 139

Der Samstag ist ziemlich verregnet und so nutze ich die Zeit um meine Fotos zu sortieren, die ich diese noch hier brennen und als Datensicherung nach Hause schicken möchte. Auch versuche ich Fernando, den ich am Mittwoch kennengelernt habe und auf dessen Einladung für den Abend nicht reagieren konnte, zu erreichen, ohne Erfolg. Der Tag vergeht recht zügig und gegen 18.00 Uhr mache ich mich auf zum Stadion. Ich bin mir sicher, dass der Name „Estadio Centenario Montevideo“ den wenigsten etwas sagt…wer doch weiss was es für ein Stadion ist, darf sich “Fussballexperte” nennen. Denn hier wurde quasi das erste Kapitel Weltfussballgeschichte geschrieben, die Fussballweltmeisterschaft 1930. Bei diesem Turnier fanden nicht wie heute die Spiele in verschiedenen Städten, sondern alle in einem, eben diesen Estadio Centenario, statt. Die Fifa hat das Centenario darüberhinaus zum Weltfussballmuseum erklärt und nennt es neben dem Maracana, dem Aztekenstadion, Wembley, San Siro und Santiago Bernabeu zu den wichtigsten Stadien der Welt. Ursprünglich hatte die Spielstätte ein Fassungsvermögen von 100.000 Zuschauern, musste aber aus Sicherheitsgründen auf 76.000 reduziert werden. Das schöne an solchen Stadien ist (obwohl sie deutlich renovierungsbedürftig sind), dass sie eine Geschichte haben. So hypermodern die ein oder andere neue Arena auch sein mag, so sind sie doch gesichtslos. Ohne Beschriftungen und Werbetafeln kann man innerhalb des Stadions doch kaum unterscheiden, ob man sich gerade in Hamburg, München oder Frankfurt befindet, da die Tribünenkonstruktionen allesamt gleich sind. Daher ist mein Lieblingsstadion in Deutschland das Berliner Olympiastadion. Natürlich auch der Bieberer Berg, aber der ist ja nun auch dabei Vergangenheit zu werden…

Als ich aus dem Bus steige fragt mich ein älterer Herr wo ich hin will und meint ich sei ziemlich früh dran, immerhin beginnt das Spiel erst in einer Stunde. Das weiss ich zwar, aber ich wollte mich an dieser historischen Stätte auch nochmal umsehen bevor es losgeht. Draussen vor dem Stadion gibt es unzählige Stände mit Fanartikeln in gelb-schwarz, den Vereinsfarben von Peñarol Montevideo. Auf Einlasskontrollen verzichtet man bei mir. Dann gehe ich durch die Katakomben nach oben auf die “Tribuna Olympico” und es öffnet sich vor mir das grosse Rund! Irgendwie schon bewegend, gerade für mich der die Nationalmannschaft dem Fussball in den (Söldner)Ligen vorzieht. In der Mitte der Gegengerade befindet sich eine schlichte Tafel, die an dieses Ereignis vor 80 Jahren erinnert. Das Stadion ist nur bisher nur mässig gefüllt, dafür aber schon mit unzähligen Bannern und Fahnen geschmückt. Ich gehe zum oberen Rang und blicke von einer hüfthohen Mauer auf die Strasse, wenn hier mal keiner runter fällt… Das Stadion an sich ist in deutlich baufälligen Zustand, aber so ist das hier, es wird erst renoviert wenn irgendwo etwas passiert. Die Zäune sind, obwohl die Uruguayos als ruhige Vertreter gelten, genauso hoch und gesichert wie in der Bombonera und dazu gibt es davor noch einen Wassergraben. Das ist besonders lustig weil beim warmmachen ständig Bälle darin landen und die Spieler nicht rankommen ohne nass zu werden. Als die Spieler vom Gastverein Fenix sich warmmachen ertönt ein Pfeifkonzert, im sich langsam füllenden Stadion. Dank freier Platzwahl suche mir einen Sitz auf dem Oberrang und dann folgen auch schon die Mannschaftsaufstellungen. Tatsächlich kenne ich sogar einen Spieler: Die Nr. 22 von Peñarol, Dario Rodriguez hat vor ein paar Jahren mal in der Bundesliga bei Schalke gespielt. Als die Spieler dann aus dem Tunnel kommen wird es richtig laut und damit meine ich, dass mir auf der Gegengerade durch die Lautstärke hinter dem Tor fast die Ohren wegfliegen! Dabei hat das Stadion kein Dach, so dass man um ein vielfaches lauter sein muss um so einen Lärm zu erzeugen. Das Stadion ist jetzt fast halbvoll (ca. 30.000 Zuschauer würde ich sagen) und diese zünden Bengalos und Kanonenschläge, das ist noch echte Fankultur!

Das Spiel nimmt sofort Fahrt auf und es geht munter hin und her, während die komplette Tribüne hinter dem Tor singt und hüpft. Die Urus sind zwar für ihre raue Spielweise bekannt, allerdings auf technisch hohem Niveau. Warum also z.B. einem Ball an der Mittellinie einfach annehmen, wenn man ihn auch mit einem Fallrückzieher weiterleiten kann?! Absolut sehenswert und dann in der 9. Minute passiert es, Peñarol macht das 1:0. GOOOOOOOOOOOAAAAAAAAAAAAAAALLLLLL!!!!!!!!! Was ein Schrei, wer da keine Gänsehaut bekommt muss tot sein…! Die nächsten 15 Minuten herrscht eine Riesenstimmung, bis der Schiri einen Spieler von Peñarol vom Platz stellt. Nach kurzen Pfeifen geht es weiter mit dem Gesang und jetzt erhebt sich auch der Rest des Stadions. So rettet man den Vorsprung in die Pause, wo ich mich am Imbiss anstelle. Eine „Frankfurter“ soll es sein, so nennt sich hier eine Art Hot-Dog. Doch die sind begehrt und so ergattere ich nur noch die letzte “normale” Stadionwurst, die aber ebenfalls vorzüglich schmeckt. Nun stelle ich mich etwas weiter unten hin, da es oben langsam frisch geworden ist. Was sympathisch ist, dass die Fans hier nicht ihre Hauptaufgabe darin sehen den Gegner zu beschimpfen, sondern einfach nur ihre Mannschaft anfeuern. Das ist was, was in deutschen Stadion leider nicht mehr populär ist, da sich dort immer mehr Leute tummeln, die ihre Alltagsfrustration damit ausleben mal jemanden (in der Regel Spieler des Gegners oder Schiedrichter) alle Schimpfwörter die man so im Repertoire hat an den Kopf schmeissen zu können. Die Fans von Penarol singen und feiern einfach nur und versuchen ihre Mannschaft anzutreiben. Das funktioniert bis 10 Minten vor Ende auch ganz gut, dann ein perfekter Spielzug von Fenix und der Ausgleich. Kurzes Entsetzen und dann wird nochmal alles nach vorne gebrüllt, aber es reicht nicht. Enttäuscht verlassen die meisten das Stadion, aber alles bleibt ruhig. Da kein Bus Richtung Altstadt fährt muss ich einmal um das Stadion durch einen Park laufen, wo mir eine Gruppe „Ladyboys“ entgegen kommt…ansonsten verläuft der Rückweg unspektaktulär.

Im Hostel treffe ich Jackeline an der Rezeption, die schon auf mich gewartet hat. Anita die eigentlich morgens abreisen wollte ist noch eine Nacht geblieben und nun geht es heute auf die Piste. Aileen und Luis, ein chilenisches Pärchen aus dem netten Valparaiso schliessen sich uns an und fragen mich ob ich Brasilianer sei…und das ohne das ich irgendwelche Ballkünste vorgeführt habe^^ In der Altstadt reiht sich eine Bar an die nächste und überall stehen Tische vor der Tür. Wir trinken erstmal ein Bier und die beiden Chilenen sind begeistert mit drei unterschiedlichen Landsleuten unterwegs zu sein, die alle ihre Sprache sprechen. Dann geht es in einen der kleinen Clubs, in dem ein Mix aus Latino- und amerikanischer Musik aus den 90ern läuft. Jetzt folgt eine Episode aus “Blamieren leicht gemacht…” In einer südamerikanischen Disco brauch man dazu nicht viel, wenn man Europäer ist. Und damit meine ich nicht die unbeweglichen Typen wie mich, sondern einfach jeden, der sich für einen noch so guten Tänzer halten mag: Vergesst es, diese Typen hier sind einfach wie Gummi und haben den Rhythmus im Blut! Um dies zu ertragen brauche ich was zu trinken, die Bar ist mein Ziel…

Jetzt folgt ein Bericht, wo ich mir nicht sicher war ob ich überhaupt was dazu schreiben soll. Aber da ich zu jeder Art von Erlebnis bisher etwas geschrieben habe und meine männlichen Leser mich desöfteren per Mail löchern was denn nun mit den Frauen sei, schildere ich nun mal anhand dieser Nacht, wie es einem hier als Mann so ergehen kann. Das treibt dann auch hoffentlich die Wettquoten nach oben (wie ist da eigentlich so der Stand?!). Ich trinke also gerade ein Bier, als mich Diana, eine Chilenin die mit mir das Zimmer teilt anspricht und sich als Ziel gesetzt hat mich wieder auf die Tanzfläche zu zerren. Da ich gerne andere Leute belustige und mich sowieso niemand kennt, tue ich ihr den Gefallen und lasse auch die Lehrstunde, die sie erteilt über mich ergehen. Immer wieder versucht sie mir etwas zu erklären, aber die Mischung aus fremder Sprache und lärmender Musik bei steigendem Alkoholpegel machen eine Verständigung unmöglich. Das Tanzen soll aber sowieso nur Nebensache sein… Aber erstmal folgt ein Kapitel, dass ich nenne: “Sich zwischen die Stühle setzen in Perfektion!” Als wir uns gerade in den hinteren Bereich begeben wollen, werde ich von meinen eigentlichen Begleiterinnen darauf aufmerksam gemacht, dass sie nun bald gehen, weil sie morgen früh weiterreisen. Ich entschuldige mich für 5 Minuten bei meiner neuen „Tanzpartnerin“ um mich draussen zu von ihnen zu verabschieden. Irgendein beliebter Song kommt dazwischen und wir landen zwischen einer Gruppe von Studenten und Studentinnen aus Montevideo und ich habe meine nächste Tanzlehrerin… Diana sieht etwas skeptisch herüber und ich hoffe, dass das Lied bald vorbei ist, denn ich merke das ich gerade dabei bin sich die sich mir vor wenigen Minuten eröffnete Situation ziemlich zu verbocken… Das ganze zieht sich dann jedoch, ehe ich mich vor der Tür von den beiden verabschiede. Da Anita auch zum Karneval nach Rio kommt verabreden wir uns dort, bzw. später um vielleicht eine Etappe zusammen zu reisen, woraufhin Jackeline uns nach Sao Paulo einlädt.

Zurück “im Ring” entdecke ich meine chilenische Errungenschaft erstmal nicht mehr. Meine neue, nicht minder hübsche Bekanntschaft aus Montevideo, ist allerdings noch anwesend und weiter gewillt mich von meiner deutschen Unbeweglichkeit zu befreien… Nachdem sie mir dreimal ihren Namen gesagt und ich ihn dreimal (wegen der Lautstärke…) nicht verstanden habe, gebe ich auf. Wir wechseln den Club und gehen nach gegenüber, wo ich auf Dianas Freundin treffe, die mich darauf hinweist, dass sie auch hier ist – ich verweise nochmal auf den Namen des Artikels! Etwas überfordert mit den Möglichkeiten, lasse ich mich jedoch weiterziehen, da die Absichten nun alles andere als Tanzen sind…weitere Details brauche ich denke ich nicht zu umschreiben…! Der Abend endet irgendwann am Strand, wo über dem Rio de la Plata langsam die Sonne aufgeht. Da ich noch 2 Tage in der Stadt bin gebe es sicher die Möglichkeit diesen „romatischen Teil“etwas zu vertiefen, aber irgendwas in mir sagt mich jetzt lieber nicht aufhalten lassen sollte. Das hört sich sicher seltsam an, aber andere Traveller mit denen ich mich ausgetauscht habe, kamen oft zu dem selben Ergebnis, dass man in diesem Reisefluss sich nicht auf Herzensdinge konzentrieren kann. Diese Reise ist sowas wie ein Auftrag und man will sich möglichst nicht davon abbringen zu lassen diesen erfolgreich abzuschliessen. Aber ich komme zu dem Schluss, dass man hier viele Möglichkeiten hat um sich zwischen Stühle zu setzen, sich aber trotzdem immer irgendwo noch einer untergeschiebt 😉 Um 7.30 Uhr bin ich dann im Hostel, nach einer weiteren tollen Nacht in Montevideo und ich glaube ich habe mich trotz meines oben genannten Gebotes verliebt, in diese Stadt!

Der Sonntag ist schnell erzählt, nach 3 Stunden Schlaf sitze ich beim Frühstück. Anschliessend kaufe ich mein Busticket und schaue mir noch den Leuchtturm an, wo ein strenger Wind weht. Diana und ihre Freunde sind auch noch da und wollen, dass ich Abends mit ihnen weggehe. Leider verpassen wir uns, aber sie kommen aber wenig später zurück und meinen in der Altstadt sei alles geschlossen.

Montags starte ich im Internet-Cafe eine Grossaktion in Sachen Fotos brennen und nachdem ich es geschafft habe eine einzelne CD-Hülle und nur einen statt 50 Umschläge zu kaufen, schicke ich diese nach Hause. Als ich ins Hostel komme spricht mich eine Brasilianerin an und fragt ob ich ihr den Weg zum Bankautomat zeigen kann… Es wird Zeit das ich morgen hier weg komme, das Hostel hat einfach eine zu hohe Frauenquote^^ Nachdem das auch erledigt ist, erfahre ich an der Rezeption, das Fernando da war. Er hatte mir geschrieben und ich habe ihn kurz angerufen, hatte dann aber kein Kleingeld mehr und das Gespräch war weg. Valentina (die Rezeptionistin) ruft ihn kurz für mich an und er will in 10 Minuten wiederkommen. Scheint ihm echt wichtig zu sein und ich bin immer froh mit echten “Locals”, wie man unter Backpackern sagt, in Kontakt zu kommen. Ich packe derweil meinen Rucksack. Als ich runter komme bauen er und sein Kumpel mit einem “modischen” Schnauzbart auf der Treppe gerade einen Joint, den sie dann draussen anstecken, als wir an 2 Polizisten vorbeilaufen. Ich kenn mich damit ja nicht aus, aber das Teil ist im Vergleich zu denen, die man bei uns sieht, ziemlich dünn und der typische Geruch liegt auch nicht in der Luft. Als das “Tütchen” für meine Begriffe fertig geraucht ist, hebt Fernando ein Stück Papier vom Boden auf und nutzt es als Verlängerung um auch wirklich nichts zu verschwenden… Wir kaufen noch eine Flasche Bier und dann fahren wir mit dem Bus zur Universität, wo Fernando Jura studiert. “Nebenher” arbeitet er 6 Stunden täglich, um das Studium zu finanzieren. Die Uni ist jetzt nichts besonderes, aber ich finde es trotzdem interessant, denn wann kommt man denn sonst als Tourist dorthin?! Im Innenhof gibt es einen Springbrunnen, was sowas wie ihr “Chill-Platz” ist und so werden noch zwei Joints gedreht. Der Abend geht nicht ganz so lange, da beide ziemlich breit sind und Fernando irgendwann einen Anruf seiner Freundin bekommt. Scheinbar hat hier nicht jeder so eine Auswahl, dass er es sich bei einer Frau verscherzen kann 😉 Damit endet eine tolle Zeit in einer tollen Stadt. Die Vorschusslorbeeren waren nicht übertrieben und ab jetzt wird dieser Name einen noch besseren Klang haben: Monte V I D E O!




Montevideo – Ciudad Vieja

5 03 2011

18.02.2011, Tag 136

Montevideo ist laut den Reiseführern ein Traveller-Traum, da alles leicht zu erlaufen ist. Heute ist es ungewöhnlich bewölkt, was bei einer Stadtbesichtigung, aber gar nicht so verkehrt ist. Die Plaza Independencia, die von 3 Seiten von schönen Gebäuden gesäumt wird bildet das Zentrum der Stadt. Der sich dort erhebende Palacio Salvo war einst das höchste Gebäude Südamerikas. Ich kann mir nur nicht erklären warum jemand dort so eine hässliche Antenne draufsetzt… Mitten auf der Plaza unter dem Reiterdenkmal von General Artegas befindet sich dessen Grabkammer. Diese frei zugänglichen Katakomben finde ich etwas seltsam und die beiden Soldaten, die scheinbar den ganzen Tag im halbdunkel neben der Urne strammstehen müssen sind auch nicht zu beneiden. Vor dem Theater spricht mich ein älterer Engländer an, dem wie so oft meine Tasche aufgefallen ist. Er fragt nach meiner Reiseroute und erzählt mir dann wie er in den 70ern selbst mit dem Rucksack durch Südamerika gereist ist. Wir vergleichen diverse Reiseziele und es wirklich interessant zu hören das beispielsweise der Trail nach Machu Picchu damals so untouristisch war wie der unsrige nach Choquequirao. Beneidenswert denke ich mir oft, denn an vielen Stellen wünsche ich mir oft das “wilde Südamerika”, welches die Traveller damals noch für sich hatten. Ohne regelmässig verkehrende Busse, meistens per Anhalter auf einem Laster mitzufahren, keine Hostels, sondern Unterkünfte bei irgendeiner gastfreundlichen Familie, das war noch echtes Backpacken! Da kommt dann der Romantiker in mir durch, früher war eh alles besser 😉

Die Strandpromenade ist nicht allzu sehenswert und so laufe ich durch ein zwielichtiges Viertel wieder hoch ins Ciudad Vieja, die Altstadt. Dort gibt es unzählige hübsche Gebäude zu bestaunen und ab und an fährt mal wieder ein Pferdewagen mit diesen riesigen Müllsäcken hinten dran vorbei und die Jungs winken mir zu. Generell sieht man hier in Uruguay ziemlich viele alte Autos und Verkaufsstände an den Plazas wo man allerlei antikes Zeug kaufen kann, wie eine kleine Zeitreise und irgendwie passt das hier alles zusammen. Am Hafen gehe ich ein paar hundert Meter auf den ins Wasser laufenden Wellenbrecher raus, wo unzählige Angler dabei sind ihr Essen zu fangen. Hunger habe ich auch gerade und als ich das Gebäude des Mercado Cenral mit seinen unzähligen Grillständen betrete wird es in dieser Gaucho-Nation Zeit für mein erstes Steack. Pulpa, ist ein riesiges Fleischstück, was auf offener Flamme gebraten wird, allerdings maximal “Medium”, denn normalerweie mag man es hier blutig.

Direkt vor dem Mercado sehe ich einen Stand an dem Lnderaufnäher verkauft werden. Als ich mir eine Uruguay-Flagge zulege fragt mich der Verkäufer wo ich herkomme. Auf Alemania antwortet er; wir sollen bloss nicht über Fussball reden…das verlorene Spiel um Platz 3 bei der letzten WM steckt den Urus auch noch in den Knochen… Nachdem die Argentinier die letzten verlorenen Spiele auch immer wieder angesprochen haben, fällt mir auf das wir fast gegen alle Länder, die ich bereist habe oder werde bei irgendeiner der letzten Weltmeisterschaften gewonnen haben. Wie gesagt Uruguay (2010) und Argentinien (2010 und 2006), Ecuador (2006), Bolivien (1994) und Paraguay (2002). Lediglich Brasilien (Finale 2002) dürfte auf uns gut zu sprechen sein… Ich frage ihn aber trotzdem wo ich Karten für ein Spiel hier in Montevideo bekommen kann und er verweist mich auf den Lotto-Kiosk gegenüber. Und tatsächlich, für umgerechnet knapp 7 Euro bekomme ich ein Ticket für die Partie Penarol – Fenix am Samstag Abend. Mein erstes Spiel hier in Südmaerika! Der Rundgang durch die Altstadt zieht sich noch etwas, da ich an jeder Ecke noch irgendeine Strasse entdecke, die ich als besonders schön einstufe. Insgesamt ist Montevideo also sehr sehenswert!

Zurück im Hostel treffe ich Jackeline und sie fragt, ob ich heute Abend mit ihr und ihrer franz ösischen Zimmerpartnerin feiern gehen will? Hmm, gibt sicher schlechtere Angebote…;) Da mich mein Bettnachbar Nikolas aus den USA aber auch gefragt hat biete ich ihm an mitzugehen. Als wir dann zum Vorglühen (das gibts hier auch) auf der Treppe zusammen sitzen wird aber deutlich, dass es ein Verständigungsproblem gibt… Während ich mit den beiden Mädels spanisch spreche, spicht Nikolas, wie die meisten aus einem Englischsprachigen Land, nur seine Muttersprache, was die Kommunikation schwierig werden lässt. Das ist so ein Problem was viele Amis, Briten, Australier usw. haben. Sie kommen in ein fremdes Land, meinen jeder spricht ihre Sprache und sind dann völlig aufgeschmissen wenn es mal nicht so ist. Anita (die Französin) lebt eigentlich in Irland und hatte in der Schule Deutsch-Unterricht, wovon allerdings nur so viel hängen geblieben ist, wie von meinen 4 Jahren Französich. Aber ein paar Worte bekommen wir beide noch zusammen und Valentina, die an der Rezeption arbeitet, fragt ob wir nicht hier anfangen wollen, wo wir doch beide 4 Sprachen „sprechen“. So möchte ich meine Kenntnisse nicht umschreiben, aber ich kann mich mittlerweile halbwegs flüssig verständigen und mit Leuten, die Spanisch nicht als Muttersprache und daher einen ähnlich knappen Wortschatz haben, funktioniert das zu meiner Zufriedenheit. Mittlerweile hat der Nieselregen zugenommen und es schüttet aus Eimern, eine Seltenheit hier. Wir überlegen ob wir noch losziehen wollen, aber selbst der Weg aus der Tür zum Taxi würde reichen um klatschnass zu sein. Also verlegen wir unsere Runde erstmal nach drinnen an die Bar und wollen warten bis der Regen nachlässt. Als dies nach zwei Stunden immer noch nicht der Fall ist, vertagen wir das ganze auf morgen.





Montevideo – Playa & Casino

3 03 2011

16./17.02.2011, Tag 134/135

Montevideo – der Name dieser Stadt hat mir irgendwie schon immer gut gefallen, daher ein Muss auf meiner Reiseroute und heute ist es soweit. Da ich mal wieder wenig geschlafen habe, hole ich dies auf der Fahrt nach und verpasse somit die Landschaft Uruguays, die wir in den knapp 4 Stunden durchqueren. Das ist das schöne hier, endlich wieder kurze Distanzen. Ich wache auf als wir am Stadtrand von Montevideo ankommen. Am Terminal besorge ich mir einen Stadtplan und fahre mit dem Bus über die Hauptgeschäftsstrasse, Avenida 18 de Julio, ins Zentrum. Als ich aussteige fährt gerade ein Pferdewagen vorbei. Allerdings keine Kutsche, sondern das sind hier die Transportmittel der Wertstoffsammler, die sich damit in den Verkehr der Grossstadt mischen. Von der Plaza Independencia, sozusagen em Zentrum, aus ist mir die Stadt sofort sympathisch. Ich suche gerade noch nach irgendeiner Hausnummer um mein Hostel zu finden, da fragt mich eine Frau wo ich hinmöchte und bringt mich sicher ans Ziel. Das “Che Lagarto Hostel”, eine südamerikanische Kette, die sich auf Backpacker “spezialisiert” hat, befindet sich in einem schönen alten Gebäude. Allerdings ist gerade (noch) nichts frei und ich muss mich gedulden. Ich drehe eine erste Runde durch die Stadt und frühstücke. Dabei spricht mich ein junger ”Uru” an, dem meine Tasche aufgefallen ist. Fernando ist selbst schon alleine unterwegs gewesen und meint ich solle ihm mal schreiben, dann könnten wir Abends mal zusammen feiern gehen. Danach checke ich schon mal Alternativ-Hostels, aber weder Preis, noch Lage oder Ausstattung können mit dem Che mithalten, also freue ich mich umso mehr das dort ein Bett frei wird.

Als ich wenig später am PC sitze, mustert mich der auf den ersten Blick doch etwas seltsam wirkenden Typ neben mir. Dann meint er schlichtweg: “Hey Man, what´s up?!” und wir kommen ins Gespräch. Simon ist Däne, lebt aber derzeit in Rio und muss auf sein Visum warten, was er morgen bei der brasilianischen Botschaft abholen kann. Praktischerweise hat er das Bett über meinem und er fragt, ob ich mit an den Strand komme. Da ich nichts besseres zu tun habe sage ich zu, obwohl ich noch nicht recht weiss was ich vom ihm halten soll… Begleitet werden wir bei diesem Ausflug von Paula, einer knapp bekleideten Argentinierin, die Simon gestern kennengelernt hat. Er legt sich dann erstmal auf der Treppe hin, woraufhin mir klar wird woher die ganzen Verletzungen kommen, die er mir eben im Zimmer gezeigt hat. Nachdem wir nach langem herumfragen endlich die Bushaltestelle gefunden haben, beginnt Simon zu erzählen, wie er in Kolumbien geboren und aufgewachsen ist (also auch Kolumbianer ist), zwischenzeitlich in Florenz und New York gelebt hat und das er demnächst als Englisch-Lehrer nach Thailand geht. Dadurch, dass er fliessend spanisch und portugiesich spricht ist er im südamerikanischen Raum als grossgewachsener Europäer wohl ziemlich begehrt, obwohl er äusserlich gar nicht der Frauentyp ist, wie er selbst zugibt. Egal wie, in jedem Backpacker-Film, den ich gesehen habe gibt es auch Skandinavier und mein Däne könnte typischer nicht sein, als das Bild das ich von seinen Landsleuten vor Augen habe, chaotisch aber sympathisch.

Der Strand von Pocitos ist ein typischer Stadtstrand mit Hochhäusern im Hintergrund. Dies wird jedoch sekundär als ich mir die landestypische Badebekleidung der einheimischen Frauen ansehe und unsere attraktive Begleitung bildet da keine Ausnahme…Simon verspricht mir jedoch, dass Brasilien noch besser wird! Das Wasser des Rio de la Plata ist nach wie vor braun, was mich erstmal nicht wirklich anspricht. So hängen wir ein paar Stunden herum und ich trainiere mein Spanisch, da Paula kein Englisch spricht. Funktioniert mittlerweile auch ganz ordentlich. Irgendwann steht sie auf, geht zur Bar und kommt mit einer 1-Liter Flasche Bier wieder, besser hätten wir die Begleitung nicht auswählen können 😉 Simon holt den Nachschub und ich schliesse mich an, ehe wir in die zweite Runde gehen. Die Stimmung ist gut und die Sonne geht langsam unter, als Simon seine zweite Flasche kaufen geht und nicht wieder kommt. Wir warten 10 Minuten, 15, 20, eine halbe Stunde, aber keine Spur. Es ist aber sicher nicht der schlechteste Teil des Abends…und als Simon nach über einer Stunde wieder auftaucht fragt er erstmal, ob er wieder gehen soll. Mir wird in diesem Moment deutlich, warum der Kerl mir immer sympathischer wird: Er hat (wie der ein oder andere mit dem ich zu Hause unterwegs bin^^ ) ein leichtes Alkoholproblem und ist an der Bar hängengeblieben, wohin wir nun unbedingt mit ihm gehen müssen. Es ist 22.00 Uhr und ich habe ausser 2 Brötchen zum Frühstück noch nichts gegessen, als der Barkeeper mit einem “Shot”, wie sie es nennen, vorsetzt. Ein 0,33 L Glas mit einer Mischung aus Wodka und Rum, Skål! Paula bestellt irgendeine Fischspezialität, die ich unbedingt probieren muss. Bei meinem Hunger und dem steigenden Alkoholpegel hätte ich aber auch alles gegessen…Simon hat in der Zwischenzeit den Barkeeper überzeugt, dass er eigentlich hinter die Bar gehört. Nach fast einer Stunde beschliessen wir zu gehen, als wir an der Bushaltestelle sind, muss Simon aber “unbedingt” nochmal zurück. Da ich selbst in Verzögerungstaktiken unter Angetrunkenen geschult bin, mache ich mir keine Hoffnungen, dass er schnell zurück kommt. Unser Bus kommt allerdings auch nicht und als der Barkeeper ihn persönlich zur Bushaltestelle bringt, beschliessen wir ein Taxi zu nehmen. Diese sind hier durch eine Fensterscheibe zum Fahrgastraum abgetrennt, woraufhin Simon mich ein ums andere mal fragt: “Why we´re going to the Jail?” Dieser verrückte Däne! Aber ich kann euch versprechen es wird noch besser…

Das Hostel soll nur Zwischenstation sein, ehe es in irgendeinen Club geht. Dazu benötigt Simon allerdings Geld und der einzige Automat in der Gegend steht im Casino um die Ecke… Ich begleite ihn sicherheitshalber, während Paula duschen geht. Mit Unterhemd, Shorts und Flip-Flops dachte ich nicht, dass wir bis in die Lobby vordringen können, doch dann setzt Simon noch einen drauf: “Vamos a Casino!” Meine Versuche ihm zu erklären, dass es nicht die allerbeste Idee ist, sich in seinem Zustand an Glückspielen zu versuchen ignoriert er geschickt und wider erwarten werden wir in unserer Strandgarderobe zugelassen! An der Bar bestellt er erstmal zwei Remy Martin, es soll ja nicht aussehen als ob wir keinen Stil hätten. Dann bricht es aus ihm heraus: “You´ve to come to Rio Man!”. Das werde ich! Wir versuchen uns zuerst am Roulette, bis Simon an den Black-Jack-Tisch wechselt. Dabei überlässt er mir einen Stapel Chips mit denen ich was gewinnen soll. Mit dem letzten Einsatz hole ich dann in etwa das gleiche wieder rein und verantwortungsbewusst wie ich bin steige ich aus, löse das gewonnene in Bargeld ein und besorge davon ein paar Bier. Simon der mittlerweile erwartungsgemäss alles verspielt hat ist gerade dabei einen Typ an der Bar die Pommes vom Teller zu klauen, was dieser gar nicht so lustig findet.Genauso wie die Sicherheitsleute die uns bitten zu gehen als er anschliessend versucht im Springbrunnen schwimmen zu gehen…!

Als wir es ins Hostel geschafft haben ist Paula schon unterwegs in den Club. Mittlerweile sind allerdings auch schon 2 Stunden vergangen… Als ich gerade in die Dusche will werde ich von “Danish-Dynamit” überholt und muss das Bad nebenan nehmen. Als ich wieder raus komme sitzt er dann nur mit dem Handtuch um die Hüften an der Hotelbar. Vielleicht weiss jemand an welchen meiner Freunde mich das erinnert 😉 Als ich mich kurz umdrehe ist er dann verschwunden. Ich finde ihn allerdings kurz später wieder, schnarchend in meinem Bett, jetzt allerdings angezogen, was wohl ziemlich anstrengend gewesen sein muss… Ich nehme dann sein Bett, da nach den schlechten Erfahrungen in Cuenca sowieso lieber oben schlafe und so endet diese “Show”. Ich frage mich ja manchmal ob ich irgendwie solche Menschen anziehe…keine Ahnung, aber es war auf jeden Fall einen willkommene Abwechslung und einer der lustigsten Abende dieser Reise!

Der nächste Morgen beginnt erwartungsgemäss verkatert. Simon hat einen kompletten Filmriss ab dem Zeitpunkt wo er am Strand an die Bar gegangen ist und so muss ich unter zu Hilfe nahme der Fotos seinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen. Sehr amüsant… Beim Frühstück lernen wir Jackeline, eine Brasilianerin aus Sao Paulo kennen, die ebenfalls alleine unterwegs ist. Nachdem Simon sein Visum geholt hat wollen wir nochmal zum Strand gehen. Allerdings findet er seine Badeshort nicht…wir entdecken sie wenig später zwischen den Blumen im Raucherraum neben der Dusche. Frag mich nicht wie sie da hin gekommen ist… Der heutige Strandtag wird eher unspektakulär. Nachdem ich dann doch im Wasser war, trage ich eine schöne Schmutzschicht mit mir rum und unter der Dusche wird trotz Sonnencreme ein heftiger Sonnebrand sichtbar. Simon, der keinen Sonnenschutz benutzt hat ist derweil das röteste was ich je gesehen habe. Ich lade ihm noch zu einem letzten Bier ein, um mich für den gestrigen Abend wenigstens etwas zu revanchieren. Daraus werden dann zwei, ehe er Richtung Flughafen muss. Ein lustiger Kerl, der auch in jeder JackAss-Folge mitwirken könnte…aber auch ganz gut, das ser jetzt abreist, denn noch so einen Abend hätte meine untrainierte Leber nicht verkraftet. Abends treffe ich dann noch drei chilenische Mädels im Hostel wieder, die ich bereits aus Colonia kenne. Anna ist in Aachen geboren und wir versuchen ihr deutsch auszugraben. In meinem Zimmer sind ebenfalls nur Chilenen und alle sind immer völlig begeistert, wenn ich von meiner Zeit in ihrem Land erzähle. So wird es ein ruhiger Abend, ich kuriere meinen Kater aus und starte morgen meine Tour durch die Altstadt.




Colonia del Sacramento

2 03 2011

14./15.02.2011, Tag 132/133

Der Check-In im Terminal des Fährunternehmens Buquebus gleicht dem eines Flughafens. Direkt hinter dem Sicherheitscheck bekomme ich meinen Ausreisestempel für Argentinien und dahinter den Einreisestempel für Uruguay, Bienvenido! Das ich die Fähre betrete merke ich im ersten Moment gar nicht, da das Schiffsinnere so weitläufig ist. Vom grossen Eingangsbereich gelangt man im unteren Stock zum Duty-Free-Shop und den Spielautomaten. Im ersten Stock, den man über eine breite Treppe erreicht kommt man im Bug zu den Schlafsesseln der 1. Klasse, sowie den normalen Sitzen für die Touristenklasse. Oberhalb des Aussendecks auf dem sich nochmal eine Bar befindet gibt es die “Special-Class” von wo aus man einen unversperrten Blick auf dem Rio de la Plata geniessen kann. Bei der Ausfahrt aus dem Hafen betrachte ich die Skyline von Buenos Aires wie sie sich erst vor uns erhebt und dann am Horizont immer kleiner wird. Zum ersten mal überquere ich eine Grenze mit dem Schiff, immer mal was neues 😉 Mehr kann ich von der Überfahrt nicht berichten, da ich mich in einer der Sessel setze und einschlafe.

Als ich wieder wach werde sieht man Uruguay schon vor uns liegen, in Form des historischen Städtchens Colonia de Sacramento, vor welchem ein Leuchtturm auf einer Insel steht. Die Stadt (mit noch einem Leuchtturm) macht auf den ersten Blick einen netten Eindruck und ich bin froh wieder an einen etwas ruhigeren Flecken zu kommen. Der alltägliche Trubel in Buenos Aires, der Verkehr und der damit verbundene Lärm und Smog machen einen auf die Dauer doch etwas mürbe… Zurückblickend muss ich sagen, dass Argentinien das erste Land war was mich auf dieser Reise enttäuscht hat. Normalerweise hatte ich bei jeder Ausreise etwas Wehmut, hier aber nicht. Dieser bis ins extremste ausgeprägte Tourismus, der keinerlei Platz für das authentische in diesem Land mehr lässt ist mir einfach zu viel. Ich habe zwar viele nette Leute kennengelernt, aber generell kann ich das was mir in den anderen Ländern über die Argentinier gesagt wurde schon teilen. Aber es war klar, dass es irgendwann auf dieser Reise auch mal eine Enttäuschung geben muss. Nun freue ich mich auf die nächste Etappe und die heisst Uruguay!

Als wir von Bord gehen und ich meinen Fuss auf uruguayischen (was ein Wort…) Boden setze und hoch in die Stadt laufe ist die Umgebung allerdings erstmal nicht soo schön wie ich sie mir erhofft habe. Das ändert sich schlagartig als ich Richtung Altstadt abbiege, wo ich direkt ein einfaches aber für hiesige Verhältnisse günstiges Hostel finde. Als ich mich in die Altstadt begebe erwartet mich auch ein stark touristisch geprägtes Bild, allerdings mit einem ganz anderen eigenen Stil. Der ehemalige “Schmugglerhafen” wurde hübsch hergerichtet und versprüht sofort eine historische Atmosphäre. Ich mache einen kleinen Rundgang, komme an etlichen alten Gebäuden vorbei, der Mauer der ehemaligen Festung und dem Stadttor. Dann gehe ich zum Leuchtturm, wo es allerdings gerade recht voll ist, weshalb ich die Besichtigung auf morgen verschiebe. Plötzlich denke ich mir: Den Kerl da drüben kennst du doch, und erkenne Christian, den Rumänen mit dem wir die tollen Tage im Cotopaxi-Nationalpark in Ecuador verbracht haben. Ich gehe rüber und es folgt eine herzliche Begrüssung als würden sich zwei Freunde nach langer Zeit wiedersehen. Aber so ist das hier, zu den wenigen Leute die man etwas besser kennenlernt baut man ziemlich schnell eine enge Bindung auf, da man meist auch irgendwas tolles zusammen erlebt hat. Und wenn man sich dann irgendwo wiedertrifft ist die Freude umso grösser. War ich vor ein paar Tagen bei meinem Wiedersehen mit Bernie und Kerstin überrascht, so war es doch möglich, da wir einander entgegen gereist sind. Christian hingegen, den ich zuvor in Lima schon einmal wiedergetroffen habe, ist quer durch Bolivien und Paraguay gereist, während ich im Süden war. Nun trifft man sich in Uruguay, ich finde diese Zufälle wirklich faszinierend, denn eine Minute später und wir wären aneinander vorbeigelaufen. So fragt er nach meinem Hostel, da er und sein russicher Reisepartner gerade auf der Suche sind und wir verabreden uns für den Abend.

Ich habe Hunger und nachdem ich in Argentinien (aufgrund des Preises) nichts typisches gegessen habe, probiere ich in Uruguay gleich die erste Spezialität: Chivitos! Das Gericht bekommt man eigentlich “auf die Hand”, aber ich habe gelesen, dass wenn man es auf dem Teller ordert der Ober diesen randvoll macht, und das stimmt. Die Pommes werden von einem grossen Fleischstück überdeckt, was mich alleine schon satt machen könnte. Aber wenn ich in Zeiten meiner Finanznot mir schon den Luxus des Essengehens leiste, dann wird der Teller auch leer gegessen. Auf dem Rückweg entdecke ich in den kleinen Gassen eine ganze Reihe von historischen Fahrzeugen, die bei uns im Museum oder zumindest in Besitz eines Liebhabers wären. Hier scheinen sie noch im täglichen Gebrauch zu sein. Ein sympathisches Plätzchen. Zurück im Hostel ist Christian mit dem Russen (der in Canada lebt und dessen Name ich vergessen habe) gerade beim Einchecken. Am Abend setzen wir uns in den Hof und tauschen allerlei Geschichten aus. Christian ist so ein Typ dem man dabei auch stundenlang zuhören kann und sein Begleiter, der ein perfektes Englisch spricht und mit einer Kolumbianerin liiert ist, hat auch einige interesante Dinge beizusteuern. Christian hatte bereits in Ecuador davon erzählt wie er in Mittelamerika von einer bewaffneten Bande überfallen wurde. Damals hatte er angekündigt das im dies nicht nochmal passiert, dass er wehrlos seine Wertsachen aushändigt. Da schlägt dann doch der Osteuropäer in ihm durch, wie ich finde. Aus diesem Grund zeigt er uns seine Taschenlampe in die ein Elektroschocker integriert ist. Gekauft in Paraguay, genauso wie seinen Teleskop-Schlagstock, den er meist hinten in der Hose trägt. Ich hoffe für ihn das es keine Gelegenheit gibt in der er eines der beiden verwenden muss, denn ich bin mir nicht sicher, ob das dann gut für ihn ausgeht. Aber ansonsten ist er ein super netter Kerl mit dem man stundenlang über irgendwelche Dinge sinieren kann, was wir dann auch tun. Eigentlich wollte er in 2 Monaten zurück nach Hause, aber da die Reise länger gedauert hat wie geplant, überlegt er bis Herbst in Südamerika zu bleiben und dann nach Südostasien weiterzuziehen. Morgen geht es aber erstmal weiter nach Buenos Aires, von wo aus er nach Ushuaia fliegt, demnach trennen sich unsere Wege wieder. Aber ich habe das Gefühl, dass ich ihn irgendwann zufällig mal wiedersehe…

Der zweite Tag in Colonia ist eher ruhig, ich kaufe ein Busticket für den nächsten Tag, besteige den Leuchtturm und lasse mich anschliessend an dessen Fuss nieder um meine weitere Reise zu planen, während die Sonne vom strahlend blauen Himmel herunterscheint. Wie ich es drehe und wende habe ich ein Zeitproblem…aber wann hat man schon genug Zeit?! Die Stadt gefällt mir aber wirklich gut und man hat tatsächlich das Gefühl sich in einem alten Schmugglerversteck zu befinden. Abends werde ich dann noch Zeuge eines südamerikansichen Männerurlaubs: Eine Riesengruppe schleppt tütenweise Lebensmittel herbei und beginnt in der Küche ein wahres Festmal zuzubereiten, überall wird geschnibbelt und gebraten und ich muss aufpassen, dass ich mit meinem Nudeltopf nicht im Weg stehe. Der erste Eindruck von Uruguay war nett, mal sehen was die Hauptstadt morgen für mich bereithält…auf nach Montevideo!