El Calafate – Perito Moreno

28 02 2011

07./08.02.2011, Tag 125/126

Da wir unsere Gletscher-Tour erst um 14.00 Uhr beginnen, verbringen wir noch ein paar Stunden in der Stadt was sich allerdings als ein teurer Spass erweist. Deshalb scheinen wohl auch alle Geldautomaten leer zu sein, denn ich muss mich an drei verschiedenen anstellen bis ich endlich an Geld komme. Dann gibt es kein Wasser zu kaufen, was mir auch noch nirgends passiert ist. Mit dem Bus fahren wir dann am Lago Argentino entlang zum Nationalpark Los Glacieres, in dem sich der Perito Moreno Gletscher befindet. Der Perito Moreno ist einer der weltweit wenigen Gletscher, die nicht zürückgehen, sondern stabil sind. Jeden Tag wandert er 2 Meter in Richtung des Lago Argentino und wenn er dessen Insel erreicht hat verstopft er den Durchgang. Alle paar Jahre bricht dann unter dem Druck der vordere Teil des Gletschers ab, was ein Riesenspektakel ist. Aber auch bei dem täglichen Bewegungsvorgang fallen riesige Eisblöcke ab, das sogenannte Kalben, und das ist das warum wir hier sind. Durch die Wärme des Tages ist dies besser am späten Nachmittag zu beobachten, weshalb wir uns nicht unter die Touristenhorden am Vormittag gemischt haben. Als wir auf der Isla ankommen, von wo aus man die beste Sicht auf den Gletscher hat, entdecken wir sofort warum die Eintrittpreise so unverschämt hoch sind: Es exisitieren hier keine einfachen Wege oder Wanderpfade, sondern das ganze Gelände ist mit Laufstegen überzogen! Ein Anblick, der mich mit dem Kopf schütteln lässt. Klar kann man eine Aussichtsplattform oder sowas bauen, aber warum durchzieht man eine Landschaft kilometerlang (schätze ca. 20 km) mit diesen Alugittern?! Hier sind wir definitv in einer Touristenhochburg.

Der Perito Moreno ist mit seinen 60 Metern Höhe, mit denen er aus dem Lago ragt wirklich beeindruckend. Allerdings ist es für mich nach den beiden anderen Gletschern auch nichts mehr neues und meine Erwartungshaltung ist hoch, habe ich doch wegen diesen Eisklotz meinen Abflug nach Buenos Aires extra von Ushuaia hierher verlegt und mich nochmal 16 Stunden in den Bus gesetzt. Ab und zu fallen dann Eisbrocken ins Wasser und es platscht auch laut, aber es ist nicht das „ohrenbetäubende Getöse“ mit dem man hier angelockt wird. Ein Boot fährt heran und man sieht die wahre Grösse (angeblich 5 km breit und 60 km lang), vielleicht wäre solch eine Tour von unten an den Gletscher heran doch nochmal lohnenswert gewesen, aber der Spass ist nicht ganz billig. Daher laufe Eva und ich die verschiedenen vorgegebenen Wege ab und begutachten den Eisberg aus den allen Perspektiven. Leider verlässt mich heute mein Glück was den strahlenden Sonnenschein angeht, den ich sonst meist bei solchen Anlässen habe, aber es regnet auch nicht.

Nach einiger Zeit lassen wir uns an einem der Aussichtspunkte nieder, essen und lesen in den Büchern die wir dabei haben. Ab und an löst sich ein Eisstück und fällt laut klatschend ins Wasser. Leider hört man es erst immer platschen und wenn man dann aufblickt sieht man nur noch etwas im Wasser verschwinden und eine Welle verursachen. Später treibt dann ein Stück Eis auf dem Wasser. Eine zeitlang beobachte ich dann einfach auch nur, in der Hoffnung das gerade jetzt etwas abfällt, leider ohne Erfolg. Dabei habe ich einen extrem nach vorne geneigten Eisblock im Blick, der bei genauerem Hinsehen aussieht als hätte jemand einen Smily in das Eis gehauen. Vielleicht habe ich auch zu lange auf das Eis gestarrt…aber wie auch immer, er fällt leider nicht, dafür ein paar andere und wir stellen fest das der Gletscher jeden Tag anders aussieht. Mit dem letzten Bus fahren wir dann zurück nach El Calafate und wissen beide nicht so richtig was wir von diesem „Must-See“ halten sollen.

Als der Bus ins Terminal einfährt entdecke ich aus dem Fenster Kerstin und Bernie, mit denen wir den Salzsee in Bolivien überquert haben. Und daneben steht Theresa, was ein Zufall. Wir begrüssen uns und recherchieren erstmal wie es zu diesem Zusammentreffen kam. Die beiden waren auch recht lange in Chile und reisen nun über Argentinien in den Süden. Aber das wir uns gerade in diesem kurzen Augenblick treffen, als drei verschiedene Buss hier ankommen ist schon wieder so ein geiler Zufall und ich freue mich jedes mal bekannte Gesichter zu sehen. Dieses Wiedersehen und der damit verbundene Plausch führt dazu, dass der Supermarkt geschlossen hat als wir dort ankommen und so gibt ein nur eine Portion Reis zum Abendessen, die ich noch aus dem Torres del Paine übrig hatte.

Am nächsten Morgen verabschiede ich mich von Eva, die langsam Richtung Norden reist, während ich in den Flieger nach Buenos Aires steige um wieder ein bisschen Zeit reinzuholen. In Argentinien hält es mich bisher sowieso nicht wirklich und daher ist es das beste nun mal einen Teil zu überspringen und in das nächste Land zu reisen. Vielleicht ist es auch meine gestiegene Erwartungshaltung, nach all den tollen Dingen, die ich in den letzten Monaten gesehen habe. Ich fühle mich fast ein wenig schlecht, dass ich solche Dinge wie diesen Gletscher, für den andere ihren kompletten Jahresurlaub investieren würden, gar nicht mehr richtig wahrnehmen kann. Ich denke es wird Zeit für eine kleine Pause und/oder etwas Abwechslung. Der „Flughafen“ ist eher ein „Flugplatz“ aber wirklich schön am Lago Argentino gelegen. Da wir noch ziemlich viel Zeit vor dem boarden haben rechne ich endlich meine Reisekasse nach und stelle fest, dass die letzte Zeit doch etwas teuer war. Aber gut, wann ist man schon mal in Patagonien! Aber jetzt ist sparen angesagt, und das ausgerechnet in Buenos Aires…



Aktionen

Informationen

Schreib einen Kommentar

Du kannst diese Tags verwenden : <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>