Puerto Varas

9 02 2011

18.01.2011, Tag 105

Als mich der Hostelier morgens im strömenden Regen vor der Bank rauslässt ist der Automat immer noch ausser Betrieb. Zum Glück habe ich noch 40 US-$ einstecken, die ich nun in chilenische Pesos tausche. Anschliessend nehme ich den lokalen Bus nach Puerto Varas am Südufer des Lago Llanquihue, das, wie weitere Orte im Seengebiet, sowas wie eine deutsche Kolonie ist. Deutlich darauf aufmerksam macht mich ein Plakat mit der Aufschrift „Prositfest“, das auf dem Dorfplaz in einem mit deutschen Fahnen geschmückten Festzelt stattfindet. Leider werde ich nicht so lange hier sein um mir dieses „Event“ live anzusehen. Ansonsten ist Puerto Varas sowas wie der chilenische Ableger des argentinischen Bariloche, zumindest wird versucht den Ort entsprechend (im süddeutschen Stil) zu gestalten. Nachdem ich mich bei der Touristen-Information mit einem Stadtplan versorgt habe, suche ich eine Agentur auf, die Raftingtouren veranstaltet. Da die letzten Wochen nicht soo sportlich waren, habe ich gerade Lust auf etwas „Action“ und das Wetter lässt hier in den Gegend gerade keine anderen Outdooraktivitäten zu, bzw. ist es dabei egal ob es regnet, da man sowieso nass wird. Als die Tour für den Nachmittag gebucht ist, checke ich in ein Hostel ein, das von einem Hippie-Pärchen geführt wird. Ganz nett, aber etwas chaotisch und das man 45 min. warten muss weil es im ganzen Haus nur 2 WCs gibt ist nicht gerade optimal…

Um 15.00 Uhr geht´s los. Mit einer Gruppe Amerikaner und einer Österreicherin als Guide fahren wir zum „Basecamp“, wo wir mit Neoprenanzügen, Helm und Schwimmweste ausgestattet werden. Eigentlich wäre ich lieber mit dem Kajak den Fluss heruntergefahren, aber soweit sind auch schon die Chilenen mit ihren Sicherheitsvorschriften, dass es leider nicht möglich ist. Von daher geht es mit dem Schlauchboot noch ein Stück weiter bis zur Einstiegsstelle in den Rio Petrohue. Dabei sind auch 3 Kajakfahrer, einer als Rettungsboot, einer filmt und der andere ist nur zum Spass dabei und demonstriert dies erstmal mit einer Eskimorolle. Der Kanadier hatte mir kurz vorher erzählt, dass er erst seit 3 Wochen in Chile ist, kein Wort spanisch spricht und einfach nur Spass am Kajakfahren hat und deswegen hier als Guide anfängt. Vorher hat er als Ranger in den Rocky Mountains gearbeitet und ist dort die Flüsse und Seen abgepaddelt, beneidenswert!

Im Raft setze ich mich erstmal nach vorne, denn nach der letzten Tour bei unserer Chile-Reise 2009 kann mich eigentlich nichts mehr schocken, zumindest was kaltes Wasser angeht. Der Fluss ist mit Schwierigkeitsstufe IV vergleichbar mit dem Rio Trancura in Pucon. Es geht dann auch gleich munter los und ich stelle fest was ein guter Neopren doch ausmachen kann. Hatte ich beim letzten mal noch unter Erfrierungserscheinungen gelitten, ist es jetzt doch ziemlich erträglich. Nachdem wir mehrere Stromschnellen hinter uns gelassen haben, wobei die Kajakfahrer so knapp vor dem Boot fahren, dass ich das Gefühl habe wir werden sie gleich überfahren, geht es erstmal ins Wasser. Für den schwierigen Part des Flusses üben wir vorher wie wir wieder ins Boot gelangen. Dafür geht es im Sprung aus etwa 2 Metern von einem Felsen rein in den Fluss und man muss versuchen direkt nach dem Auftauchen das Paddel zu schnappen das man hingehalten bekommt. Nachdem das erledigt ist geht es weiter und wir schiessen durch die Stromschnellen, alles ohne Zwischenfall. Ein super Spass, vor allem als wir zum Ende dann nochmal das Boot umkippen. Allerdings muss ich sagen das es in einer Gruppe die man kennt natürlich noch lustiger ist. Die letzten Kilometer sind flaches Gewässer und unser Guide erklärt, dass der Fluss seine aktuelle Richtung erst seit einem Erdbeben hat und vorher in die entgegengesetzte Richtung geflossen ist. Im Camp gibt es dann nochmal einen kleinen Snack, ehe es zurück nach Puerto Varas geht.

Abends in der Küche gibt es, wie schon einige male auf dieser Reise, beeindruckte Gesichter unter meinen südamerikanischen Tischnachbarn, als ich meine „Hackfleischtoast“ (eins der wenigen Gerichte die so einfach sind, dass ich sie selbst machen kann^^) aus dem Ofen hole. Mich beruhigt das dann immer, da ich daraus schliesse das es viele Menschen gibt die noch untalentierter als ich in der Küche sind…diesen erkläre ich dann das simple Rezept und so wird Chile noch ein bisschen deutscher 😉 Dann geht es wieder ans packen, da ich morgen nach Puerto Montt weiterfahre, wo am Freitag meine Fähre in den Süden Patagoniens ablegt. Irgendwie hatte ich mit dem chilenischen Seengebiet, auf das ich mich doch sehr gefreut habe, kein Glück. Denn so schön es hier sonst auch sein kann, wie ich z.B. in Bariloche gesehen habe, mit Regen macht es doch nur halb so viel Spass. Hoffentlich habe ich mehr Glück auf der Fähre durch die chilenischen Fjorde, auf geht´s nach Puerto Montt.



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