Bariloche

3 02 2011

13. – 16.01.2011, Tag 100 – 103

Der 100. Reisetag ist ein absolut typischer Tag für einen Traveller: Im Bus sitzen und ein Hostel suchen. Dazu ein Grenzübertritt, unvorhergesehene Zwischenfälle und nette Überraschungen… Und er hält eine grundlegende Veränderung für mich bereit, denn ab hier reise ich erstmal alleine. Wäre dies ein Buch würde es aber hier nun heissen “Solo al fin del Mundo – Alleine ans Ende der Welt”. Ich hatte mich bei meiner Abreise aus Santiago dazu entschieden, das zentrale Chile zu überspringen und über die Seenplatte einen Abstecher ins argentinische Bariloche zu machen um anschliessend etwas weiter südlich wieder zurück nach Chile zu reisen, wo ich in 8 Tagen die Fähre nach Patagonien nehmen werde. Da ich einige Orte südlich von Santiago bereits bei meiner Chile-Reise 2009 kennengelernt hatte verpasse ich so relativ wenig und kann dafür noch ein bisschen mehr von Argentinien mitnehmen, wovon ich sonst nur Buenos Aires und einen kleinen Teil des Südens sehen werde. Also fahre ich nun über Nacht nach Osorno und steige nach 3 Stunden in den Bus rüber nach Bariloche. Unterwegs haben wir in der Dunkelheit all die Orte passiert, die mich an diese tolle Reise im Oktober 2009 erinnern: Concepcion, Temuco (Conguillo Nationalpark), Pucon und Villarica sind mir noch gut im Gedächtnis und hier wäre ich wahrscheinlich auch nur enttäuscht wenn ich nun alleine dorthin zurückkehren würde, da das Erlebte einfach nicht zu toppen ist.

In Osorno erwartet mich ein veregneter Morgen. So teste ich erstmal meine neue Regenhülle die ich mir habe aus Deutschland mitbringen lassen. Die Dinger sind unheimlich praktisch, da sie neben Regen vorallem vor Dreck schützen und sich so mein Rucksack nach über 3 Monaten noch in einem erstaunlich guten Zustand befindet. Dies nur als Anmerkung, wenn es jemand auffallen sollte, dass ich nun einen schwarzen statt dem leuchtgelben Überzug habe. Pünktlich um zehn geht es los nach Argentinien. Neben uns erstreckt sich der Lago Puyehue und ich ärgere mich ein wenig, dass ich keinen Fensterplatz genommen habe, da die Bilder etwa denen gleichen wie man sie bei uns aus der Krombacher-Werbung kennt: Eine Seenlandschaft umgeben von grünen Wäldern und Inseln mittendrin. Auf einen schmalen Strasse, die uns durch die Anden führt, erreichen wir den Grenzposten, der zum ersten mal auf dieser Reise auch auf beiden Seiten diesen Namen verdient hat. Scherzhaft meint der argentinische Grenzwärter zu mir, dass ich nur ein Visum für 30 statt der üblichen 90 Tage bekomme, sozusagen als Revanche für das Viertelfinale bei der WM 2010… Würde mir natürlich auch ausreichen, aber dann ist er doch nochmal gnädig und erteilt mir die volle Frist. Die Fahrt geht weiter vorbei am Lago Espejo und durch eine tolle Landschaft. Dann höre ich plötzlich ein lautes knallendes Geräusch unter dem Bus. Aus eigener Erfahrung sage ich Radlager defekt! Tatsächlich stoppen wir wenige Meter weiter, mitten im Nichts. Der Fahrer weist uns an im Bus zu bleiben und so lerne ich in der nächsten halben Stunde meine Sitznachbarn etwas besser kennen, zwei Chilenen die mit dem Fahrrad unterwegs sind, das sich aber aktuell unten im Bus befindet. Dann hält hinter uns ein anderer Bus und wir bekommen die Anweisung umzusteigen mit dem wir die Fahrt dann zu Ende bringen. Unterwegs verändert sich die Landschaft und ich bekomme einen ersten Eindruck von der patagonischen Steppe.

Mit 3 Stunden Verspätung erreichen wir Bariloche. Ich frage am Infoschalter nach einem Geldautomaten, da ich natürlich noch keine Banknoten in der Landeswährung habe. Der nächste befindet sich jeodch in der Stadt wo ich am besten mit dem Lokalbus hinfahre, was ohne Geld allerdings schwer werden könnte. Eine Frau hinter mir bekommt das Gespräch mit, drückt mir 10 argentinische Dollar in die Hand und meint das sei ein Begrüssungsgeschenk in Argentinien. Alles klar, wenn das so weiter geht nehme ich mehr Geld mit nach Hause als ich mitgebracht habe 😉 So fahre ich ins Zentrum und lande erstmal an der Plaza. Ich war bereits vorher darauf eingestellt, dass Bariloche so rein gar nichts von dem hat was man sich unter Argentinien vorstellt. Die Stadt am Lago Nahuapi könnte genausogut irgendwo im Süden Deutschlands oder der Schweiz stehen. Sinnbildlich dafür sind die Bernhardiner mit denen man sich auf der Plaza fotografieren lassen kann. Das Hostel das ich mir rausgesucht habe liegt etwas ausserhalb und ist ausgebucht, allerdings ist man so nett und ruft bei einem anderen Hostel an und so fahre ich zurück ins Zentrum. Alles was ich unterwegs sehe erinnert mich irgendwie an Deutschland. Schon verrückt in einem so weit entfernten Land, das für Tango, Cowboys und Rinder bekannt ist. Aber hier ist eine deutsche Hochburg und meine Landsleute geizen nicht damit vieles aus dem deutschen hier einzubringen. Nachdem ich eingecheckt und mich mit meinen argentinischen Zimmerkameraden bekannt gemacht habe wird der Abend recht kurz, da ich durch die Nachtfahrt ziemlich platt bin.

Am nächsten Tag gehe ich erstmal runter zum See. Vor der Kirche erblicke ich bunte Blumenbeete, die mich endgültig davon überzeugen in einer “deutschen Kolonie” zu sein. Der Himmel strahlt blau und im Hintergrund erheben sich die Berge. Ein netter Ort um einfach mal ein wenig rumzuhängen und das mache ich dann heute auch und dabei plane ich meine weitere Reiseroute, wo es zwei Möglichkeiten gibt: Die Route “Cruce de Lagos” welche über die Gebirgsseen führt und die schon Che Guevara (gesehen in “Die Reise des jungen Che”) genommen hat, oder ein Stück weiter südlich zu reisen, nach Chile zurückzukehren und mit der Fähre auf die Insel Chiloe überzusetzen, deren Besuch ich sowieso geplant hatte. Überquere ich dann die Insel Richtung Norden komme ich nach Puerto Montt, wo meine Fähre in den Süden ablegt. Soweit die Theorie, aber nach eingehenden Recherchen stelle ich fest das die “Chiloe-Variante” nicht durchführbar ist, da der Ort Chaiten, von dem die Fähre ablegt, 2008 einen Vulkanausbruch zum Opfer gefallen ist und es nun keine verlässlichen Informationen über die Fahrpläne gibt. Sollte ich dort keine Überfahrt bekommen, bräuchte ich mindestens 3 Tage zurück und dann könnte es relativ eng werden mit der Abfahrt in einer Woche, die ich allein aufgrund des Preises nicht verpassen darf. Also erkundige ich mich nach der “Cruce de Lagos-Route” und stelle fest, dass ein Touranbieter ein Monopol auf diese Überfahrt hat und diese Tagestour ca. 180 Euro kostet, ohne Verpflegung. Etwas was absolut mein Budget sprengt, trotzdem denke ich noch darüber nach und besuche erstmal de Museo Patagonia. Nach langem Überlegen komme ich zu dem Entschluss, dass es am besten ist wenn ich (natürlich ungern) wieder die gleiche Route zurück nehmen und lieber in Chile das Seengebiet erkunde. Das gestaltet sich allerdings auch nicht einfach, da der nächste Bus über die Grenze am Dienstag, also in 4 Tagen frei wäre. So nehme ich einen Zwischenstopp für eine Nacht in Villa de la Angostura in Kauf, ein hübsches Dorf, zwischen mehreren Seen gelegen, dass mir auf der Hinfahrt schon gut gefallen hat und so komme ich bereits am Sonntag zurück nach Chile.

Am nächsten Tag geniesse ich auf der Fahrt einen schönen Blick auf die Landschaft, nun von einem Fensterplatz. In der Touristeninfo lasse ich mir die Adresse eines der wenigen freien Hostels geben, da wie bereits in Bariloche, durch die Urlaubszeit ziemlich viel Betrieb herrscht. Das Haus liegt etwas ausserhalb an einem Hang, perfekt für die Ausflüge zu den verschiedenen Aussichtspunkten, die ich geplant habe. Gerade als ich meinen Sachen abgestellt habe und losziehen will fängt es an in Strömen zu regnen und so verbringe ich den restlichen Tag und den darauffolgenden Morgen mit lesen, Blog schreiben und mich mit den anderen Hostelbewohnern auszutauschen, die ausschliesslich Argentinier sind. Generell kann man sagen, dass sowohl die Frauen als auch die Männer sehr kontaktfreudig sind. Überall wird man sofort dazugebeten und so komme ich zum ersten mal in den Genuss “Mate” zu probieren. Dabei wird heisses Wasser auf eine Art Kräutermischung geschüttet und die Flüssigkeit durch so etwas was ich als “Metallstrohhalm” beschreiben würde rausgezogen. Über den Geschmack (und die Tatsache das meist eine ganze Runde den gleichen Trinkstab benutzt…) lässt sich streiten, aber die Wirkung soll wohl ähnlich der Coca-Blätter in Bolivien sein. Von meinen Bettnachbarn erfahre ich dann noch, dass argentinische Fussballer die besten der Welt sind und daher eigentlich immer Weltmeister werden müssten. Doch da sie nur auf das Geld schauen sieht die Realität leider anders aus. Den winzigen Haken, dass die deutsche Mannschaft dann nicht teilnehmen dürfte wenn die “Gauchos” mal wieder einen Titel holen wollen behalte ich aufgrund meiner zahlenmässigen Unterlegenheit im Raum dann für mich 😉 Ich komme zu dem Schluss, dass die Argentinier sowas wie die Italiener Südamerikas sind. Damit möchte ich aber nun keine Völker verunglimpfen, aber man vergleicht z.B. die Chilenen auch gerne mit den Deutschen. Der Ruf der den Argentiniern vorauseilt ist ihre extrovertierte und impulsive Art und das etwas arrogante Auftreten, was man nicht ganz von der Hand weisen kann. Zudem würde ich die meisten als extrem modebewusst beschreiben und man sieht kaum einen, der nicht den Anschein macht täglich mehrere Stunden vor dem Spiegel zu verbringen. Aber mir gegenüber sind alle wikrlich sehr sympathisch, was darüber hinwegtröstet, dass ihr spanisch mit dem bisher gehörten und gelernten absolut überhaupt nichts zu tun hat.

Am “Terminal” erfahre ich das der Bus 1 Stunde Verspätung hat und so gehe ich im Nieselregen nochmal durch das Dorf und belustige mich an den Holzfiguren, die hier scheinbar für Touristen besonders ansprechend sein sollen. Nach einer Stunde hat der Bus noch eine Stunde Verspätung und das ganze wiederholt sich nach einer Stunde nochmal, so dass ich Zeit habe nochmal Essen zu gehen und im Internet rumzudrücken. Um 19.20 Uhr ist es dann endlich soweit und wir brechen mit fast 3,5 Std Verspätung auf nach Chile. An der Grenze wird der komplette Bus gründlichst untersucht, wozu das gesamte Gepäck herausgeholt werden und für den Drogenhund ausgebreitet werden muss. Durch die Verspätung ist mein Plan heute Abend noch nach Puerto Octay weiterzufahren geplatzt. Mein Sitznachbar Juan, mit dem ich auf der Fahrt ein angeregtes Gespräch über die Unterschiede deutscher und chilenischer Verwaltungen führe, da er in einer solchen arbeitet, rät mir ein einfaches Hostel direkt am Busbahnhof zu nehmen und morgen früh weiter zu fahren. Dabei entschuldigt er sich, dass er mich nicht bei sich zu Hause unterbingen kann. Die Beschreibung “einfach” trifft es tatsächlich, den das Kellerzimmer mit Fenster auf Bodenhöhe der Küche ist eines der schlechtesten auf dieser Reise. Wenigstens ist es billig und in ein paar Stunden geht es soweiso weiter…



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1 Antwort zu “Bariloche”

  • Regina sagt:

    Die Meerbilder sind wirklich richtig schön!

    Und das Bild mit dir und der Frauenstatue sieht aus, als hättest du es in Villarica vor dem Laden gemacht, in dem wir unsere Ausrüstung für den Vulkan bekommen haben 😀

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